Anderen vergeben und ihnen Gutes tun
Beim Lesen der Biografie von Robert Cleaver Chapman, einem leitenden Bruder in einer der ersten „Brüdergemeinden“, hat mich sehr beeindruckt, in welchem Maße die Liebe Jesu im Leben Chapmans zum Ausdruck kam. Die folgende Begebenheit ist nur eine von vielen, die den Menschen, die mit ihm zu tun hatten, in Erinnerung geblieben ist.
Die natürlichen, menschlichen Reaktionen auf Beleidigungen oder Angriffe sind Wut, Vergeltung, Rechtfertigung oder Rückzug. Aber Christen sollten anders reagieren: Sie sollten wie Christus handeln, wie Chapman schrieb: „Dem Anderen zu vergeben, ohne ihn zu tadeln, und sei es nur durch das Benehmen oder durch Blicke, bedeutet Gnade zu erweisen das ist Christusähnlichkeit.“
Nicht jeder mochte Robert Chapman. Ein Lebensmittelhändler in Barnstaple war so verärgert über Chapmans Straßenpredigten, dass er ihn anspuckte! Jahrelang griff er ihn an. Aber Chapman tat weiterhin seinen Dienst, und als sich die Gelegenheit bot, erwies er dem Kaufmann eine Freundlichkeit.
Die Situation ergab sich, als Chapman von einem seiner wohlhabenden Verwandten in Barnstaple besucht wurde. Es war mehr als nur ein Pflichtbesuch; der Verwandte versuchte zu verstehen, was Chapman tat. Als er mit einer Droschke vor dem Haus vorfuhr, konnte er nicht glauben, dass der vornehme Chapman in dieser einfachen Behausung in einer verarmten Nachbarschaft lebte. Chapman hieß ihn herzlich willkommen in seinem sauberen, einfachen Zuhause. Im Gespräch erklärte er, was es bedeutet, in Abhängigkeit vom Herrn zu leben, und wie der Herr ihm alles gab, was er brauchte. Beim Abschied fragte der Verwandte ihn, ob er ihm Lebensmittel kaufen dürfe. Chapman stimmte freudig zu, bestand aber darauf, dass er sie bei einem bestimmten Händler kaufte bei dem, der ihm so zusetzte.
Ohne von dem vorangegangenen Geschehen zwischen dem Kaufmann und Chapman zu wissen, ging der Verwandte dort hin. Er machte einen Großeinkauf und bezahlte die Rechnung; anschließend sagte er dem Händler, er solle die Lebensmittel zu R. C. Chapman liefern. Der fassungslose Kaufmann erwiderte ihm, dass er wohl in das falsche Geschäft gegangen sei. Aber der Verwandte versicherte ihm, Chapman habe ihn ausdrücklich in seinen Laden geschickt. Als er Chapman die Lebensmittel brachte, brach der Händler in Tränen aus und bat um Vergebung. Noch am selben Tag übergab er sein Leben Jesus Christus!
Wir können uns kaum vorstellen, wie Gott wirkt, wenn seine Kinder so lieben, wie Christus liebte!
„Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes … und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6,35-36).
„Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet“ (1Petr 3,9a).
„Stephanus’ letztes Zeugnis war auch sein bestes; es bestand nicht im Predigen und Wunderwirken, sondern in der Fürbitte für seine Verfolger. Da war er dem Herrn in seiner Sanftmut, Vergebungsbereitschaft und Liebe am ähnlichsten“ (R. C. C.).
„Sind Brüder lieblos zu uns? Statt sie mit bitteren Worten zu überhäufen, sollten wir uns lieber selbst beurteilen; und in Liebe und Weisheit das Böse mit dem Guten überwinden“ (R. C. C.).
„Wenn ich von einem anderen verletzt wurde, sollte ich denken: Lieber der Leidtragende sein als der Verursacher!“ (R. C. C.).
Aus „Mit Liebe leiten (Praxis)“ von Alexander Strauch und Robert L. Peterson sowie „Robert Cleaver Chapman, ein Mann Gottes“ von Frank Holmes, CLV
A. Herburger